From Us With Love © Jonas Lindström

LEBEN IN EINER SPANNENDEN ZEIT

Ein Gespräch mit John Löfgren, einem der Gründer des Stockholmer Produkt- und Interior-Design-Büros Form Us With Love, über Tradition, neue Lebensstile und das allgemeine Recht auf sinnvolles Design.


John Löfgren, Form Us With Love ist ein junges, international tätiges Designstudio aus Schweden. Fühlen Sie sich geprägt von einer skandinavischen Tradition?

Wenn Sie mich fragen, ob wir uns bewusst auf diese Tradition beziehen, würde ich das verneinen. Aber wir wissen, woher wir kommen und wie uns dies zugute kommt. Im allgemeinen denken Menschen bei skandinavischem Design wohl an Eigenschaften wie: rational, clean, schlicht. Und ich denke, es ist immer gut, diese Eigenschaften bei unseren Entwürfen im Hinterkopf zu behalten. Aber heute ein Designer und aus Skandinavien zu sein, ist etwas völlig anderes als noch etwa in den 50ern. In unserer Zeit der Globalisierung sehen alle Menschen dieselben Dinge. Wir arbeiten ganz anders als einige andere Stockholmer Studios, und gleichzeitig könnte man Designer aus anderen Ländern durchaus im gerade beschriebenen Sinne für „skandinavisch“ halten. Grenzen, wie es sie früher gab, gibt es heute nicht mehr.

Sie arbeiten im Produkt- ebenso wie im Interior Design; letzteres auch im Objektbereich, etwa mit der Gestaltung von Retail-Interiors. Früher getrennte Lebensbereiche, wie Wohnen, Arbeiten und Freizeit, gehen heute zunehmend ineinander über. Beeinflussen diese Entwicklungen Ihre Arbeit?

Zunächst einmal würde ich sagen, dass wir in allen unseren Projekten auf eine gewisse „Erdung“ achten. Manchmal geht es um sehr neue Dinge, aber es gibt doch immer etwas, das man wiedererkennt – das Material, die Grundidee oder das Setting. Man sollte nicht zu viel an Innovation in nur einen Schritt packen. Gleichzeitig leben wir ja in einer extrem spannenden Zeit. Eine ganz wichtige Frage ist heute, welche Art von Technologie Sie verwenden und wie Sie dies tun. Also ja, die angesprochenen Entwicklungen spiegeln sich definitiv in unserer Arbeit wider. Nehmen wir als Beispiel unsere „Plug Lamp“ mit einer integrierten Steckdose. Wir haben versucht, aus der Art und Weise, wie wir heute all diese technischen Geräte nutzen, etwas Ikonisches zu entwickeln. Unabhängig davon, wo Sie sind: Licht ist wichtig und Elektrizität ist wichtig – besonders wenn Sie Ihren Laptop oder Ihr Smartphone viel nutzen.

Es geht also mehr um Optionen als um eine spezifische Funktion. Einen Tisch etwa würden Sie nicht so sehr danach definieren, ob dieser nun ein „Arbeitstisch“ oder ein „Esstisch“ ist, sondern eher danach, wie er sich generell nutzen lässt?

Genau – wenn sich die Möglichkeit dazu bietet. Manchmal sind die Vorgaben ja sehr spezifisch, und das respektieren wir natürlich. Aber wir wollen keine Grenzen ziehen. Wir sehen Design als etwas Offenes. Die Grenzen zwischen Arbeiten, Wohnen und Freizeit verschwimmen in der Tat und die Produkte entwickeln sich eben auch in diese Richtung. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Unternehmen, selbst ausgesprochen technologisch ausgerichtete, zunehmend auf eine gewisse Weichheit setzen. In der Anmutung bewegen wir uns weg von Hi-Tech – hin zu mehr Wohnlichkeit und zu natürlicheren Materialien.

Profil
Das Stockholmer Studio Form Us With Love wird von Jonas Pettersson und John Löfgren geleitet. Neben Interior Design, Entwicklung von Messeständen und Produktdesign für internationale Unternehmen erarbeitet das Studio Markenstrategien, ist es in der Forschung tätig und übernimmt es kuratorische Aufgaben.

www.formuswithlove.se

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